| www.weinwissen.com / Madagaskar |
![]() ![]() ![]() |
Tropische Insel im Indischen Ozean vor der Küste Ostafrikas zwischen dem 12. und 26. Grad südlicher Breite. Mit einer Fläche von 587.000 Quadratkilometern ist Madagaskar die viertgrösste Insel der Welt. Die Insel wurde vermutlich zwischen dem 1. und 5. Jahrhundert n. Chr. von indonesischen Seefahrern besiedelt. Madagaskar wurde in Europa erstmals in Marco Polos Erzählungen erwähnt, aber auch arabische Kartographen wussten um die Existenz der Insel. Die Portugiesen waren im Jahr 1500 die ersten Europäer, die mit einer Flotte unter dem Kommando von Diego Dias in Madagaskar landeten, jedoch kein Interesse an der Insel zeigten, da sie weder Gold noch Elfenbein oder Gewürze bot. Ab dem 16. Jahrhundert wurden die ersten einheimischen Königreiche gegründet. Ende des 18. Jahrhunderts gelang es König Nanpoina, die Insel zu vereinigen. Von 1895 bis 1960 war die Insel eine französische Kolonie seither eine selbständige Republik mit ca. 17 Mio. Einwohnern. Das landschaftliche Bild der Insel ist geprägt von einer zentralen, gebirgigen Hochebene. Dieses Hochland ist teils vulkanischen Ursprungs und erhebt sich im Norden bis auf 2.876 Meter, dem Gipfel des Maromokotro. Das Land fällt nach Osten steil zu einem engen Tiefland ab, das an den Indischen Ozean grenzt. Nach Westen neigt es sich allmählich zu einer etwas breiteren Küstenebene an der Strasse von Mosambik. Madagaskar hat tropisches Klima. Der Monsun trifft vom Nordwesten auf das Land und regnet sich vor allem an der Ostküste und dem Norden Madagaskars ab. Im Regenschatten bleibt es fast vollkommen trocken. Ein angenehmes Klima mit gemässigten Temperaturen hat das Hochland mit einer Durchschnittshöhenlage von 1400 m und Durchschnittstemperaturen um die 20°C. Von Oktober bis April ist hier Sommer, mit Temperaturen, die selten über 30°C steigen. Manchmal kommt es zu starken Regenfällen mit Gewittern. Der Winter ist eher trocken und kühl mit Temperaturen bis auf 5°C. Auf der Insel gibt es eine den Umständen entsprechend recht erfolgreiche kleine Weinwirtschaft mit einer über 150jährigen Geschichte. Die Angaben für die heutige Rebfläche und die Jahresproduktion sind allerdings sehr ungenau. Während manche, darunter amtliche Quellen von 2.000 Hektar und rund 89.000 Hektoliter (Deutsches Weinbau-Jahrbuch 2003) sprechen, nennen Kenner der Insel deutlich niedrigere Zahlen, nämlich 1.200 bis 1.500 Hektar und nicht mehr als 50.000 Hektoliter. Eines der Hauptprobleme der madagassischen Weinwirtschaft ist vor allem das Fehlen einer eigenen Glasindustrie. Der einzige Flaschenhersteller wurde vor Jahren stillgelegt. Auch Korken zum verschliessen der Flaschen sind stets Mangelware. So kommt es vor, dass Weine in wieder verwendete Whiskyflaschen gefüllt werden. Die Geschichte des Weinbaus auf Madagaskar reicht bis in die erste Hälfte des 19., Jahrhunderts zurück. Als erster erkannte Jean Laborde, der französische Berater der für ihre Grausamkeit berüchtigten Regentin Ranavalona, die von 1828 bis 1861 regierte, die klimatischen Möglichkeiten für den Weinbau. Jean Laborde (1805 - 1878) war als Schiffbrüchiger in Madagaskar gestrandet und lange Zeit der der einzige Europäer, der auf der Insel toleriert wurde. Als genialer Ingenieur wurde er der Waffenschmied und Architekt der Königin. Ab 1837 errichtete er in Mantasoa östlich der Hauptstadt das erste Industrie- und Wirtschaftszentrum Madagaskars, das er Soatsimanampiovana (das unveränderlich Schöne) taufte. Die wichtigsten Erzeugnisse waren Gewehre, Kanonen, Schwerter, Speerspitzen und Schiesspulver. In Mantasoa wurden aber auch Glas, Seife, Papier, Sirup, Käse, Wein, Spirituosen und vieles mehr fabriziert. Ende des 19.Jahrhunderts legten schliesslich französische Jesuiten auf dem Hochland zwischen Fianarantsoa und Ambalavao südlich der Hauptstadt Antananarivo grössere Weinbergsflächen an, die heute noch existieren (Clos Malaza). Die Trauben wachsen hier auf einer Höhe von 1.400 Metern. Die ersten Rebstöcke liessen sie aus dem Elsass kommen. Einige Jahre später legten sie auch an der Côte dIsandra Weinberge an. Auch in der Umgebung von Antsirabe existieren heute um die 200 Hektaren Weingärten, deren Trauben allerdings von minderer Qualität sind. In den frühen 1970er Jahren entstand auf Madagaskar ein Schweizer Entwicklungshilfeprojekt mit dem Ziel einer Mobilisierung von ca. 1.000 Kleinbauern in der Genossenschaft FFMV, die inzwischen 250 Hektar bewirtschaftet und fünf regionale Weinkellereien betreibt. Die madagassischen Weinproduzenten bieten meist nur vier oder fünf Weinkategorien an: vin rouge, rosé und gris sowie einen vin blanc sec und vin blanc doux. Es werden auf der Insel meist Hypriden aber auch Europäerreben angebaut so Couderc blanc, Villard noir, Chambourcin, Varousset und unter dem alten Namen Petit Bouchet auch Cabert Sauvignon. Die Weine werden fast ausschliesslich in Stahltanks produziert und gelagert. Fässer werden so gut wie nicht benutzt, da die Weine keine Lagerfähigkeit besitzen. Die wichtigsten Erzeuger der Insel sind heute Lazan´i Betsileo, Melvino (u.a. Betsileo Villages), Domaine de Manamisoa (Château Verger) und Clos Malaza (Mack & Frères) |
|
|
E-Mail: info@degustation.de |
| Copyright © 1999 -200 | Stand: 11.02.2012 |
|
Verlags- und Redaktionsbüro Mario
Scheuermann |
|