www.weinwissen.com / Fahnenschwinger

Eine in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts entstandene nicht präzise definierte Gebietsmarke hauptsächlich für Rotweine in der österreichischen Gemeinde Neckenmarkt im Weinbau-Gebiet Mittelburgenland. Wird heute nur noch von wenigen Betrieben gepflegt meist mit der Sorte Blaufränkisch, aber auch mit Cabernet Sauvignon.

Der Brauch des Fahnenschwingens, der in Neckenmarkt am Kirtag, dem Sonntag nach dem Fronleichnamsfest gefeiert wird, ist in zahlreichen südwestdeutschen, bayerischen und Schweizer Städten und Gemeinden verbreitet. Meist (aber nicht immer) ist es mit der örtlichen Kirchweih oder in Weinbaugebieten mit der Weinkerwe verbunden.

Das Fahnenschwingen ist ursprünglich wohl ein aus den Stadtrepubliken Mittel- und Norditaliens stammendes Brauchtum, das von den Landsknechten übernommen und während des 30jährigen Kriegs verbreitet wurde. Dabei werden mit den prachtvoll verzierten, bis zu 4 qm großen Fahnen verschiedene Kunstgriffe vorgeführt. Berühmt war zum Beispiel der Zitronenwurf, wo während des Wurfes der Fahne eine Zitrone in der Luft halbiert werden muss.

nach und nach fanden im 17. und 18. Jahrhundert auch bürgerliche, bäuerliche und Handwerker-Gilden an diesem Brauchtum Gefallen, das meist auch in irgendeiner Form mit Wein verbunden war. So wird in Isny im Allgäu 1648 erstmals ein Fest mit Aufmärschen der Zünfte, und Fahnenschwingen erwähnt das mit einem „Trunckh verbunden war, bei welchem dreizehn Personen je eine „Quart Wein“ erhielten.

Im Falle von Neckenmarkt geht es auf eine Episode bei der Verteidigung des Lackenbacher Schlosses der Familie Esterhazy im Oktober 1620 zurück, als sich die Bauernmilizen der Umgebung, vor allem aber die Neckenmarkter, besonders auszeichneten. Mit ihrer Hilfe wehrte Nikolaus Graf Esterhazy (1583 – 1645) einen Angriff ungarischer und böhmischer Aufständischer ab. Zum Dank erhielten die Bauern Land, Privilegien und eine Fahne. Als später die Milizen durch ein Berufsheer ersetzt wurden, wurde diese Fahne zum Zeichen der Burschenschaft des Ortes. Auch heute noch erinnern die Burschen am Sonntag nach Fronleichnam in historischen "Hajduken-Uniformen" durch den farbenprächtigen Brauch der Tapferkeit ihrer Vorfahren.

 

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