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Unter diesem Namen ging ein für die damalige Zeit spektakuläres Sakrileg, das sich am 12. September 1776 (Buss- und Bettag) im Zürcher Grossmünster ereignete, in die Geschichte ein. Seit 1768 war dieser kirchliche Feiertag einer der vier Anlässe des Kirchenjahres, an denen die Gläubigen der Stadt das Abendmahl einnahmen. Angeblich soll an diesem Tag der Abendmahlswein vergiftet gewesen sein. Kirchgänger berichteten damals, der Wein habe bläulich, trüb, schaumig und gärig ausgesehen. Viele verspürten Übelkeit und Bauschmerzen, mussten sich erbrechen. Ein Todesfall wurde registriert, wobei allerdings der behandelnde Arzt keinen Zusammenhang zwischen dem Wein und der Todesursache erkennen konnte. In der Stadt kursierten aber schnell Gerüchte über Dutzende von angeblichen Todesfällen, so dass die Regierung eine Zensur verhängte, die natürlich erst recht die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erweckte und den Gerüchten zusätzliche Nahrung gab. Analysen des Weins mit den zur Verfügung stehenden unzulänglichen Methoden ergaben, dass der Wein u.a. Extrakte von Stechapfel und Schwertlinie, Fliegengift, Arsen und Quecksilber enthielt. Beschuldigt und verhaftet wurde der Totengräber und Glöckner Hartmann Wirz, der zuvor den Vorsteher der Kirche verflucht haben solIte. Verdächtigt wurden aber auch eine Reihe angesehener Bürger, die die profranzösische Politik der Stadtregierung ablehnten. In der Folge entwickelte sich um diesen Vorfall eine jahrelange öffentliche Diskussion, die vor allem von Johann Caspar Lavater, dem berühmten Zürcher Physiognomiker, und dem Berliner Aufklärer Friedrich Nicolai, Herausgeber der „Allgemeinen deutschen Bibliothek, geführt wurde. Lavater hielt zwei wortgewaltige Predigten die vielfach gedruckt und im ganzen deutschsprachigen Raum verbreitet wurden Es gab sogar Übersetzungen ins Holländischen und Dänische. Darin wetterte er gegen den „Verbrecher ohne seines gleichen“. Nicolai dagegen plädierte für sachliche Erklärungen wie eine natürliche Verunreinigung des Weins während der Fasslagerung. Literatur: Jeffrey Freedman, A Poisoned Chalice, Princeton University Press, Princeton, 2002. |
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